13.07.2020 EZ: Und bald werden erste Wege geschottert

 

Und bald werden erste Wege geschottert

GEMEINWESEN – Dorfgemeinschaft rückt ihrem Ziel der Park-Nutzung ein großes Stück näher

Das obligatorische Gruppenfoto muss bei jedem größeren Arbeitseinsatz sein – auch zu Dokumentationszwecken. Alle Helfer und Einsatzstunden werden registriert.

Von Stephanie Schuurman


Emden. 20 Mann und auch ein paar Frauen, vier Stunden kräftiges Zufassen – mehr brauchte es am Samstag nicht, bis das nächste Etappenziel im Cassens-Park erreicht war. Der vordere Teil hat sich enorm gelichtet, die große Wiese ist eingeebnet, die Erde verteilt. „Jetzt sehen die Leute, dass es vorwärts geht“, sagte Bernd-Thomas Martens vom Dorfverein Larrelt.

Das konnten die Anwohner zuletzt nicht, weil Corona den Tatendrang der Dorfvereinsmitglieder doch etwas bremste. Jedem Spaziergänger könne man eben nicht erklären, dass die Handvoll ehrenamtlicher Arbeiter aus nicht mehr Haushalten stammen, als es die Vorschriften erlauben. Seit den Corona-Lockerungen gibt es jetzt aber wieder mehr Bewegung im Park, wöchentlich kümmerte sich der harte Kern ohnehin ums Gröbste und ging mit dem Trimmer durch die Anlage – wobei natürlich gebührender Abstand gehalten wird.

Sogar in der Dienstbesprechung vor Arbeitsantritt, in der Martens die Losung dieses Samstages verkündete: „Wir müssen in den Bereich kommen, zu pflegen“, sagte Martens. „Wir machen sonst immer nur sauber und fangen beim nächsten Mal wieder von vorne an.“ Tatsächlich hatte sich in den letzten Wochen dank des vielen Regens die Vegetation wieder derart üppig über schon freigelegte Flächen verbreitet, dass vieles wieder überwuchert war. Am Freitag fräste ein Bagger dann erneut die Flächen frei, am Samstag erledigten die Vereinsmitglieder den Rest: Pflanzenreste aufnehmen, harken und immer wieder Brombeeren schreddern.

Jetzt sind die ersten historischen Flanier-Wege mit Flatterband abgesteckt und eingeebnet. Das nächste Ziel, womöglich schon beim Arbeitseinsatz kommenden Samstag, ist das Schottern. Dabei hofft der Verein auf eine großzügige Materialspende. Denn viel mehr als Muskelkraft will der Verein natürlich auch nicht investieren. Schon diese Ressource muss vernünftig eingesetzt werden, weshalb kurzzeitig sogar im Gespräch war, ein paar Ziegen dauerhaft zur Gartenpflege einzusetzen. Dann allerdings, so Stefan Wild , müsste das Areal eingezäunt werden, was ja auch keiner so richtig will.

Im Gegenteil: Schon mit dem Schottern der Wege soll der Park wieder den Besuchern zugänglich gemacht werden. Zumindest der vordere Teil. „Den hinteren Teil gehen wir im nächsten Jahr an“, sagte Martens. „10 000 Quadratmeter Wildwuchs schafft man nicht auf einmal. Das Erreichte will schließlich auch gepflegt werden.“

 

In Arbeit ist im Übrigen auch noch der Pachtvertrag mit der Stadt. Auch das sei durch Corona etwas ins Hintertreffen geraten. Die Stadt will den Park, wie berichtet, an die Gemeinschaft übergeben – und hatte zuvor noch schnell die alten Bäume geprüft, damit die Larrelter auch sicher arbeiten können. „Wir wollen den Park übernehmen, aber die Stadt nicht ganz aus der Pflicht nehmen“, sagte Martens. Der Winterdienst sei noch so ein offenes Thema, geklärt sei aber schon mal die Frage nach dem Denkmalschutz. Tatsächlich ist der Park ein Bodendenkmal, wurde durch die Denkmalschutzbehörde festgestellt. Martens: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist aber hervorragend, und das ist kein blöder Schnack.“

 

Emder Zeitung vom Montag, 13. Juli 2020, Seite 5

Das obligatorische Gruppenfoto muss bei jedem größeren Arbeitseinsatz sein – auch zu Dokumentationszwecken. Alle Helfer und Einsatzstunden werden registriert.
 
Manches liegt noch im Verborgenen: eine der vielen Brücken über inzwischen trockengefallene Gräben im Cassens-Park. BILDer: Schuurman
Alte Wege sind wieder sichtbar gemacht: Dieser schlängelt sich um eine Wiese.
Auch Frauen fassen mit an: hier Sigrid Bischoff und Karola Fritsche.